Hilft eine Wärmflasche auch bei Knieschmerzen?

Jeder weiß, dass man sich vor dem Leistungssport erst einmal aufwärmen muss. Wir sehen daran, dass Wärme sehr wohl eine ganze Menge mit der Geschmeidigkeit, Beweglichkeit und Kraft unserer Muskeln, Gelenke, Bänder und Sehnen zu tun hat. Aber leider lässt sich die Sache mit der Wärme nicht so einfach über einen Kamm scheren. Es ist in der Tat so, dass Wärme zuweilen sogar schaden kann. Um dies zu verstehen, müssen wir bei den verschiedenen Ursachen von Knieschmerzen differenzieren.

Ursachen von Knieschmerzen

Wer es gern einfach mag, sollte sich diese Faustregel zu Eigen machen:

  • Bei akuten Verletzungen kühlen
  • Bei Muskelverspannungen und chronischen Gelenkerkrankungen wärmen

Haben Sie schon einmal Wärmepflaster für Ihr Knie ausprobiert?

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Blutergüsse und Schwellungen sowie die damit verbundenen Schmerzen aufgrund akuter Verletzungen werden durch unmittelbare Anwendung von Kälte gelindert. Dies liegt daran, dass die Blutgefäße durch Kälte eingeengt werden und dadurch die Durchblutung an dieser Stelle vermindert wird. Auch werden sich schnell entwickelnde lokale Entzündungsvorgänge durch Kälte ausgebremst.
Wärme weitet dagegen die Blutgefäße, was zu einer Durchblutungssteigerung führt. Dadurch wird das Gewebe besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, gleichzeitig werden die Stoffwechselabbauprodukte effektiver abtransportiert. In der Folge geht Wärme zum Beispiel gut gegen Muskelverspannungen vor. Die Dehnung der Bänder und Sehnen funktioniert verlustloser und die Faszien, also das muskelumspannende Bindegewebe, werden dynamischer.

Was erreicht die Wärmflasche bei Knieschmerzen?

Meistens geht es bei Gelenkschmerzen um langjährigen Verschleiß, wofür es die Bezeichnung Arthrose gibt. Arthrose-Patienten fürchten die kälteren Monate des Jahres zu Recht, denn das oftmals feuchtkalte Wetter intensiviert die Gelenkschmerzen beträchtlich.

Hilft eine Wärmflasche auch bei Knieschmerzen?

Der durch Kälte „heruntergefahrene“ Stoffwechsel in den Zellen führt gerade in betagten Gelenken zu sehr unangenehmen Reibungsschmerzen. Bedenken Sie aber, dass der Gelenkknorpel per se keine Blutgefäße hat, was bedeutet, dass dieser ausschließlich durch Bewegung via Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt werden kann. In der Technik würde man in einem solchen Fall von „selbstschmierenden Teilen“ sprechen.

Knorpelverschleiß auf der Gelenkfläche führt zu „Anlaufschmerzen“, das heißt, die ersten Minuten nach einer Ruhepause sind besonders schmerzhaft. Diese Phase ist zugleich ein Impuls für die Gelenkschleimhaut, vermehrt Gelenkflüssigkeit zu produzieren, um die Reibung im Gelenk zu reduzieren. Oftmals wird dann gleich zu viel Gelenkflüssigkeit produziert, was sich in der Kniekehle als „Baker Zyste“ bemerkbar macht, die mit einem Beugedefizit einhergeht.

Positiver Einfluss der Wärme auf die Muskulatur

Unsere Muskeln befinden sich ständig in einem bestimmten, minimalen Spannungszustand, dem Grundtonus. Dieser ist bei Arthrose sogar etwas erhöht, was für die Gelenke eine permanente zusätzliche Belastung bedeutet. Durch Wärme, die von außen einwirkt, entspannt sich die Muskulatur, was einer Gelenkschonung gleichkommt.

Arthrose-Schmerzen sind im Wesentlichen Sehnenschmerzen. Bei angespannten Muskelfasern wirkt auf die Sehnen eine stärkere Zugkraft ein, was sich als Schmerz bemerkbar macht. Wenn dann durch Wärme die Schmerzen nachlassen, ermöglichen wir dem Knie sogleich mehr Bewegungsfreiheit.

Was gibt es dabei zu beachten?

Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius über längere Zeit können mehr schaden als nützen. Es ist auch nicht sinnvoll, sich eine Wärmflasche die ganze Nacht lang aufs Knie zu legen.

Wenn eine Schwellung oder gar Entzündung (Rötung) vorliegt, ist eine Wärmeanwendung grundsätzlich nicht zu empfehlen.

Zu erwärmen ist nicht das Kniegelenk selbst, sondern die Muskulatur unter- und oberhalb des Gelenks.

Fragen Sie möglichst immer einen Arzt oder Ärztin um seinen bzw. ihren Rat, denn neben der Wärmetherapie sind meistens noch weitere Behandlungsformen erforderlich.

Beitrags-Bild von Wolfgang Claussen auf Pixabay, Röntgenbild von Dr. Manuel González Reyes auf Pixabay